"Wer bin ich denn, wenn ich diese Scham nicht mehr habe?" Teil 1 (Frank Rosenberg)

Shownotes

In dieser Folge stellt Frank Rosenberg die vielschichtige Dynamik der Scham vor – von alltäglichen Momenten der Verlegenheit bis hin zu einer tiefgreifenden, globalen Scham, die das gesamte Selbst erfassen kann. Er erläutert, warum Scham nicht nur ein Gefühl, sondern zu einem quälenden Zustand werden kann, der Beziehungen, Identität und Lebensfreude nachhaltig beeinflusst.

Anhand eindrücklicher Fallbeispiele zeigt Frank Rosenberg, wie unterschiedlich Scham erlebt wird und welche weitreichenden Auswirkungen sie im Leben von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen entfalten kann. Dabei geht er der Frage nach, wie sich pathologische Scham von gesunder Abgrenzung unterscheidet und welche Bedeutung der Blick der anderen für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Scham hat.

Die Folge macht verborgene Facetten der Scham sichtbar und zeigt, warum ein tieferes Verständnis dieses oft schwer zugänglichen Erlebens ein erster Schritt zur Veränderung sein kann.

Transkript anzeigen

00:00:05: zwischen Spielen und Psychoanalyser mit Kindern und Jugendlichen.

00:00:10: Herzlich willkommen zum Podcast des Edith Jakobschen Instituts Berlin Zwischen Spielen & Worten, Psychoanalyse Mit Kindern Und Jugendlichen.

00:00:20: Mein Name ist Frank Rosenberg Ich bin analytischer Kinder- und Jugendliche Psychotherapeut.

00:00:25: Die heutigen Folgen haben.

00:00:27: zum Thema das Schamgefühl und die globale Scham Möchte in meinem Beitrag auf die Dynamik der Scham gefühls?

00:00:35: und im Besonderen der globalen Scham eingehen.

00:00:39: In der Literatur wird diese globale Scham zumeist als Urscham, Kernwertlosigkeit oder traumatische Scham beschrieben.

00:00:48: Sie begegnet uns regelmäßig in Behandlungen von Patientinnen wenn diese Passagär- oder relativ durchgehend auf einem unteren Strukturniveau funktionieren und dann vom umfassenden Scham erleben gequält werden.

00:01:03: Die Scham ist ein zentraler Effekt, der bislang in der psychotherapeutischen Literatur viel zu wenig Beachtung gefunden hat.

00:01:11: Jedoch wurde diese negative Tradition glücklicherweise durch die wichtigen Veröffentlichungen von Leon Wurmser, Jens Tiedemann, Günter Seidler, Michael Hilgers, John Steiner und Serge Tisseron um nur einige zu nennen

00:01:27: unterbrochen.".

00:01:29: Ich habe mich bezüglich der Überlegungen zu meinen Behandlungen immer wieder auf deren Beschreibung und Analysen bezogen, deshalb bilden Sie einen wesentlichen theoretischen Hintergrund dieses Podcasts.

00:01:43: Um die Darstellung zu vereinfachen werde ich nicht in jedem Aspekt zwischen den Dynamiken des Schamgefühls im Allgemeinen und denen der globalen Scham unterscheiden.

00:01:54: Was für das Scham gefällt gilt ebenfalls für die globale Scham Allerdings mit dem Unterschied, dass das Scham erleben in diesem Fall nicht durch einzelne Handlungen, Impulse oder Verhaltensweisen ausgelöst wird sondern sich auf das Erleben des selbst als ganzer Person bezieht.

00:02:14: Dies legt nahe, daß die Betroffenen die Charme dann nicht als ein spezifisches Gefühl wahrnehmen sondern sich eher in einem unerträglichen Zustand befinden.

00:02:24: Die Charme bekommt eine charakterliche Ausprägung.

00:02:27: Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass im Falle der globalen Scham das über ich als ein verfolgendes Gewissen die aggressive Beschämung in aller Härte und Globalität schockartig gegen das Ich richtet.

00:02:42: Um diese besonders schwere Form der Scham zu bebildern geben die zitierten Behandlungsvignetten ausschließlich die erlebensweisen global beschämter Patientinnen wieder.

00:02:56: Ich möchte jetzt einige zentrale Aussagen zur Scham vorausschicken.

00:03:01: Wurzher beschreibt die Scham als eine spezifische Form der Angst, die durch eine drohende Bloßstellung Demietügung und Zurückweisung hervorgerufen wird.

00:03:12: Ihr Einsetzen deutet an dass innere Grenzen der Integrität würde unter Selbstwertgefühls übergangen wurden bedroht werden oder verteidigt werden müssen.

00:03:23: Damit offenbart sich das Doppelgesicht der Scham Einerseits soll sich schützen, andererseits greift sie das Selbstwertgefühl an.

00:03:32: Jedoch ist entscheidend dass die inneren Grenzen indirektem Zusammenhang mit den verinnerlichten moralisch ethischen Norm- und Wertvorstellungen stehen so wie Sie vom Überich vertreten werden.

00:03:44: Das heißt im Gewissen kommt bei der Scham eine zentrale Rolle bezüglich seiner Kritik bis hin zur verfolgenden Verurteilung des Ich zu Wenn von außen ein Mangel an Wissen, Fähigkeiten oder ein falsches Verhalten in Bereichen kritisiert wird die in keinem Widerspruch zu zentralen Überichwerten stehen dann kommt es nicht per se zu einer Verurteilung durch das Gewissen und damit auch nicht zu einem Erleben primärer Scham für die Inhalte der Kritik sondern allenfalls für die Art und Weise der vorgebrachten Abweisungen oder die nachfolgenden negativen sozialen Konsequenzen.

00:04:23: Das heißt wird man für Dinge kritisiert, die sich nicht mit den verinnerlichen ich-ideal oder über Ich-Normen übereinstimmen empfindet.

00:04:33: Man keine Scham sondern das Gefühl einer ungerechten Behandlung eine nazistische Kränkung oder Beleidigung.

00:04:42: Für das Einsetzen eines Schamgefühls sind dem zufolge zwei Dynamiken notwendig entweder dass dem inneren Wunschbild des selbst den Forderungen des ich ideales nicht entsprochen wurde oder zum anderen das selbstkritische, selbstbeschrafende Prozesse ausgehend vom Überich in Gang gesetzt werden.

00:05:03: Wie erwähnt hat die Scham aber nicht nur negative Seiten sondern schützt im positiven Sinne die Beziehungen zu den Objekten und sich selbst.

00:05:14: Damit reguliert sie wie gesunde nazistische Balance indem sie vor- oder nachträglich Überschreitungen des Erlebens eigener Würde, Moral und Integrität anzeigt.

00:05:28: Wird Sie im Zusammenhang mit isolierten Erfahrungen erlebt?

00:05:32: Kann Sie zur Erweiterung der Beziehungen zum Selbst bzw zu den Objekten führen und damit ein Lernen aus Erfahrung ermöglichen.

00:05:45: In diesem Zusammenhang ist es zu beachten wann die Scham einsetzt.

00:05:49: geschieht ist vor einer nicht tolerierten Handlung, kann sie das selbst vor Verletzungen bzw.

00:05:55: sozialen Sanktionen schützen.

00:05:58: Die vorträglich einsetzende sogenannte Signalscharm wirkt dann wie eine innere Beratungsinstanz ein Signal um ein Fehlverhalten und damit eine nachträgliche Scham zu verhindern.

00:06:15: Die Scham bekommt jedoch einen pathologischen Charakter wenn Scham-Erlebnisse in ihrer Häufigkeit oder Heftigkeit nicht mehr zu solchen erweiterten, angemessenen selbst bzw.

00:06:27: Objektrepräsentanzen sondern zu krisenhaften Zusammenbrüchen beziehungsweise strukturellen Defiziten führen.

00:06:37: Ehe ich auf die Scham als solches eingehe möchte ich einige wesentliche Unterscheidungen treffen, die das Ausmaß, in der die pathologische Scham sich troffnen auswirkt.

00:06:52: Wie angedeutet ist sehr wohl zu unterscheiden, ob die Scham in isolierten Teilbereichen deselbst bzw der Beziehungen zur anderen auftritt.

00:07:02: In diesem Fall handelt es sich um einzelne vorübergehende Handlungen, Teilbereiche der Persönlichkeit, situative Impulse etc.

00:07:12: Oder erstreckt sich dieses Gefühl mehr oder weniger global Das heißt umfassend auf zentrale Bereiche des Selbsterlebens.

00:07:22: Wird das Defizit in isolierten Bereichen erlebt, zum Beispiel als Defizite hin sichtlich des Leistungsvermögens der Ausbildung, als Mangel bezüglich Freundschaften, intime Erfahrungen und Liebesbeziehung?

00:07:39: Dann sprechen wir von Leistungs- bzw.

00:07:41: Inkompetenzscham oder sozialer Scham, denken Sie an die sogenannte Soziophobie, die hinsichtlich des primären Effekts eine Schamstörung ist.

00:07:52: Oder wir denken an die Intimitätsscham.

00:07:54: Das heißt ein Scham erleben bei körperlicher und sexueller Nähe beziehungsweise Körperscham als Scham für einen als matelhaft erlitten Körper.

00:08:04: Eine Abhängigkeits-Scham das wäre die Scham von der normale oder überhöhte Angewiesenheit auf andere sowie die Ödipalescham also die Scham sich klein und minderwertig in triangulierenden Situationen oder gegenüber Autoritäten zu fühlen, bzw.

00:08:21: die Schamen im Konkurrenzsituation ständig zu unterliegen und diese deshalb zu vermeiden.

00:08:29: Diesen Charmeaktualisierungen in spezifischen Aspekten des Selbst möchte ich eine Scham gegenüberstellen, die meines Erachtens eine Mittelstellung einnimmt zwischen einem solch isolierten Charme erleben sowie der globalen Charm.

00:08:44: Ich denke an die Scham von Eltern, als Eltern versagt zu haben weil ihre Kinder sich nicht gut entwickeln oder eine Therapie benötigen.

00:08:54: Die Identität als Eltern ist sicherlich in Anführungsstrichen nur ein Lebensbereich aber dafür ein Zentraler der hinsichtlich des Identitätserlebens mehr Bedeutung haben kann als zum Beispiel ein isolierter Bereich wie so eben erwähnt.

00:09:12: Das Gleiche gilt meines Erachtens für Betroffene von chronischen Krankheiten, die zwar wieder in Anführungsstrichen nur einen Lebensbereich ausmachen.

00:09:22: Aber den wie im Fall von umfassenden Handicaps ein zentraler Stellenwert im Identitätserleben bzw der sozialen Integration zukommt.

00:09:33: Ebenso können Kinder und Jugendliche durch eine umfassenere Scham erleben, die in ihrem Identitäterleben massiv beeinträchtigt sind wenn sie beispielsweise als Pflegekinder ohne Kontakt zu ihren Eltern aufwachsen oder auch als Adoptiv-Kinder nicht wissen, wer ihre Eltern eigentlich sind.

00:09:53: Auch können Kinder davon betroffen sein die unter dem Loyalitätskonflikt gegenüber unversöhnbar zerstrittener Eltern bzw.

00:10:01: unter deren aggressiv geführter Trennung leiden oder die mit massiven älterlichen Delegationen oder Projektionen besetzt werden denen Sie nicht entsprechen können.

00:10:13: Beispielhaft erwähnt er eine dauerhafte Parentifizierung oder auch die Dynamik beim strategischen Oedipuskomplex.

00:10:22: Die globale Scham hingegen um fast Symptombildungen und Ausdrucksformen jedoch nicht in isolierten psychosozialen Bereichen, sondern in vielfachen zentralen Aspekten der gesamten psychischen Struktur.

00:10:38: Sie aktualisiert sich auf geringstem Auslösenniveau in einer das selbst überschwemmenden Form und lässt die Betroffenen sich insgesamt als absolut falsch und nichtig, als schlecht unwürdig und schändlich erleben ohne ein Recht auf soziale Zugehörigkeit letztendlich auf das Leben selbst.

00:10:59: Meine Patientin Jana drückt dies in der dritten Stunde im Einsatz aus und sagt ich denke oft dass ich das Leben nicht verdient habe dass es besser wäre, wenn ich tot wäre.

00:11:12: Der Zusammenbruch des Ich im Zuge der Effektüberschwemmung führt zu einer globalen Verleugnung der Gefühle.

00:11:21: Demzufolge nehmen die Betroffenen die Scham nicht als spezifisches Gefühl sondern als ein Zustand war, das sie schlagartig überfällt ganz und gar ausfüllt sowie als absolut überschwemmt erlebt wird.

00:11:36: um solche unerträglichen Selbstzustände zu bewältigen stehen im Extrem lediglich dissoziative Abwehroperationen, globale Verleugnungen sowie dauerhafte maligene Interjektbildung zur Verfügung.

00:11:54: Ich selbst habe auch erst in den letzten Jahren verstanden dass solche dissoziativen Abwehrprozesse so wie die Interjektbildungen im Zuge globaler Scham denen bei posttraumatischen Verläufen gleichen.

00:12:10: Jens Tiedemann hat darauf hingewiesen dass es im akuten Erleben der globalen Scham zu einem absoluten Aussetzen des Denkens kommt.

00:12:19: Die Scham überflutet, dass ich woraufhin negative Denkprozesse einsetzen die eine umfassende Abwertung des Selbstbeinhalten.

00:12:30: Die Betroffenen fühlen sich durch jeden Blick in jedem Kontakt bei jeglicher Herausforderungen bloßgestellt und damit hinsichtlich ihrer Defizite sichtbar und ohnmächtig ausgeliefert.

00:12:45: Meine Patientin Luisa hatte zur hundertfünfundzwanzigsten Stunde eine Liste ihrer Schamthemen erarbeitet, die sie vorliest.

00:12:56: Alle sind besser!

00:12:56: Ich bin total anders.

00:12:58: Es ist die Scham weil ich so oft krank bin.

00:13:01: Die Scham, weil ich immer schwächer bin als andere.

00:13:04: Die Scham, weil ich Stress mit dem Lernen habe.

00:13:06: Die Schahm, weil Ich mit dem Stress nicht umgehen kann.

00:13:08: die Schahmen wegen meiner Familie.

00:13:11: Ich sehe ja andere Familien und dass es dort total anders ist.

00:13:16: Stress wegen meines Aussehens Weil ich so unperfekt bin mein Outsehen Mein Körper.

00:13:21: im Vergleich mit anderen Bin ich zwanzig Stufen darunter.

00:13:25: Scham in sozialen Situationen Dass sich immer denke das mich niemand mag Und alle Menschen die ich kennenlerne nur schlechtes über mich denken.

00:13:34: Ich verdiene es nicht, dass jemand sich mit mir befreundet.

00:13:38: Scham, dass ich noch nie eine Liebesbeziehung hatte – da habe ich noch keine Erfahrungen so wie alle anderen!

00:13:44: Scham das ich nichts habe, keine Hobbys, ich bin nicht gut genug an der Uni, ich habe für Nichts eine Leidenschaft.

00:13:53: Schham, dass mich nicht intelligent bin.

00:13:55: Schlamm, dass mein Bruder verraten habe.

00:13:58: Irgendwie fühle ich mich schmutzig und dafür schäme ich mich

00:14:01: auch.".

00:14:04: Ich denke, dass diese Auflistung zum einen von den besagten globalen Erleben der Schamzeugnis gibt, da diese so ziemlich sämtliche Alltags- und psychischen Erlebensbereiche durchdringt.

00:14:16: Zum anderen wird ein wesentliches Merkmal der globalen Scham deutlich – die Selbstwahrnehmung wird konkretistisch und absolut erlebt!

00:14:26: Es gibt kein Denken im Sinne von «Es fühlt sich an wie», ich erlebe es als «Es kommt mir so vor als ob» etc… sondern das Erleben wird als unumgängliche, unwiderspruchene psychische und soziale Realität wahrgenommen, der man eigentlich nicht entrinnen kann.

00:14:49: Ich möchte jetzt auf die Ausdrucks- und Erscheinungsform dieses Gefühls eingehen und komme deshalb zu den schamtypischen Symptomenbildungen.

00:14:57: Zunächst seien nochmals betont dass sich die Symptombildungen der globalen Scham mit denen der isolierten Scham deckt, sich jedoch in wesentlich umfassenderen Bereichen des psychischen Erlebens einstellen und zu dem wesentlich repressiver ausfallen.

00:15:16: Aufgrund der verfolgenden Überichrepression mitsamt einer unbarmherzigen Abwertung des Selbst stellt sich ein Schmerzein gegen den eine globale Abwehr eingesetzt wird.

00:15:29: Im introjektiven Abwehrmodus wird das Farmen erleben, völlig dem Inneren den eigenen Defiziten zugerechnet.

00:15:37: Die Abwehr richtet sich gegen die Wendung produktiver Aggression nach außen im Leben zu.

00:15:44: Die Betroffenen berichten häufig davon ständig gestresst beziehungsweise über Vorderzusein.

00:15:50: Sie schildern eine depressive Dynamatik wie – mir geht es nicht gut ich bin schlecht drauf ich kriege das eh alles nicht hin und so weiter.

00:15:58: Sie flüchten sich in Lähmungen, nazistische Rückzüge und soziale Isolation.

00:16:05: Versuchen sämtliche als konflikthaft erlebten Herausforderung zu vermeiden sind scheu, unsicher übermäßig schüchtern verzweifelt oder leiden an multiplen Ängsten bzw Empfindungen von Wert Macht- und Einflusslosigkeit.

00:16:25: Der Verlust von Wirksamkeit Das sogenannte Ineffektanz erleben wird begleitet von grundlegender Passivität und nicht zuletzt dem Gefühl, sich peinlich benommen zu haben oder insgesamt peinlig zu sein.

00:16:42: Ebenso stellen sich fast immer die Fuse Ängste bis hin zu Panikattacken ein, die in einen überdauernden Schock- und Stresszustand münden können.

00:16:52: Genauso erleben sich die Betroffenen als Grundlegend schwach und einsam In sozialen Gruppen als nicht zugehörig, fremd, außenvorstehend anderen lästig.

00:17:08: Im umgekehrten Fall – das heißt im projektiven oder nazistischen Abwehrmodus wird die Scham durch aggressive Deckerfekte ersetzt, die nach Außengerichtet eben projiziert werden.

00:17:20: Dazu rechne ich Gefühle wie Hass, Rachewünsche, Hochmut, Verkasmus, Verachtung und hohen, chronischem Trotz und Abwertung anderer sowie die beständige Tendenz schuld auf andere zu projizieren.

00:17:34: Diese Haltungen gehen häufig mit der Entwicklung eines Größen selbst einher, und nehmen im Fall der globalen Charme oftmals deformprojektiver Identifizierungen an.

00:17:47: Ich werde später noch ausführlicher auf charmtypische Abwärtsvorgänge eingehen.

00:17:53: Ebenso typisch für das Charm erleben ist die Lähmung Ohnmacht und das Ausgeliefertsein an innere oder äußeren Verfolgerinstanzen.

00:18:03: Affekte werden nicht mehr wahrgenommen, sondern umfassend verleutnet.

00:18:07: Dies kann man als dissociative Modus

00:18:09: verstehen.".

00:18:12: Dazu die Patientin Luisa.

00:18:14: Sie sagt, weil ich nur noch darauf achte, wann sie die erste Bierflasche öffnet.

00:18:31: Im Kühlschrank ist ja auch mehr Bier als Essen – wir haben oft nicht zu essen und wenn dann nur Nudeln- und Tomatensauce!

00:18:39: Luisa wirkt zunächst wie tyrannisiert, schmerz erfüllt, als ob ihr jemand das Leben zur Hölle macht.

00:18:46: Dann sagt sie körperlich in sich zusammen, schaut mit starrem Blick auf den Boden.

00:18:55: Dieses Geschehen, das sich sowohl einer Abwehr als auch Effektübertragung zuordnen lässt, ereignet sich eher dezent und lässt an eine Effektüberflutung mit nachfolgender dissoziativer Reaktion denken.

00:19:11: Allein die Berührungen mit dem Scham erleben weckt tiefe Charme ohne Distanz zum Effekt und zugleich diese archäische Abwehr Aufgrund der schweren Konflikte mit der Mutter möchte sie von zu Hause ausziehen vermeidet aber jegliche Gedanken daran, beziehungsweise konkrete Planungen weil die Mutter gedroht hatte sich dann umzubringen.

00:19:34: Luisa erlebt Trennung schuldgefühlhaft als mörderischen Verrat, als totbringende Täterschaft und erlebt diese konfliktaft entgegen der Schamhaft besetzten jedoch nicht tödlichen Objektabhängigkeit.

00:19:50: Ihr Charme erleben wird durch dauerhaft ein Therapiethema.

00:19:55: Luisa vermag ihr inneres Erleben zu erweitern und äußert unter anderem.

00:20:00: Meine Mutter sagte oft, ihr größter Fehler war dass sie mich geboren hat.

00:20:04: Dass es so ein Fehler ist das ich auf der Welt bin und ihr Leben durch Mainz zerstört wurde.

00:20:10: Ich glaube ihr alles weil ich dachte dass ich falsch und ein schlechtes Kind bin.

00:20:17: Das scharmhafte Gefühl defekt zu sein Versagt zu haben, bis hin zur Selbstsicht kein Lebensrecht zu besitzen, löst den Impuls aus sich zu verstecken oder auf der Situation zu entspinden.

00:20:31: Wer sich schämt möchte sich verbergen im Erdboden versinken.

00:20:35: Scham fühlt sich an wie eine unerwartete Bloßstellung die einen deficitär und minderwertig im Extrem als ohne Recht zu leben erscheinen lässt.

00:20:48: Diese besagte Äußerung leitet zur der personellen Ebene im Scham erleben über.

00:20:55: Die Scham ist nicht nur ein intrapsychisches Phänomen, sondern ebenso in dem Grenzbereich zwischen dem Ich und Du, dem Selbst- und der Objektwelt angesiedelt – und trägt damit entscheidend zur Regulierung zwischen menschlicher Nähe und Distanz bei.

00:21:11: Seitler beschrieb ausführlich die interpersonelle Ebene der Scham und markierte diese als einen sozialen Effekt.

00:21:20: Sie reguliert bzw.

00:21:21: dereguliert die nazistische Balance, das Selbstwertgefühl in Abstimmung mit Beziehungserfahrungen beziehungsweise deren

00:21:30: Wahrnehmung.".

00:21:32: Dazu die Patientin Julia.

00:21:33: in der fünften Sitzung In meiner Klasse war einer, der mochte mich und ich mochte ihn aber ich fühlte mich nicht wert genug dass da was entstehen konnte.

00:21:44: Ich war ihm verknallt aber wurde dann total distanziert hingegenüber.

00:21:50: Er verstand das nicht und fragte, was los ist.

00:21:53: Ich tat so als ob nichts wäre zwischen uns.

00:21:55: ich wollte nicht dass irgendwer irgendwas merkt.

00:22:00: Ich frage dann von deinen Bedürfnissen und intimen Gefühlen Sie?

00:22:05: Ja genau!

00:22:06: Ich wollte keine Gefühle haben oder darüber reden.

00:22:08: Ich wollte so tun als ob Nichts wäre weil ich hatte Angst dass wenn ich auf ihn zu gehe Und er mich besser kennenlernt dass er dann sieht Dass ich ganz anders bin als er gedacht hätte.

00:22:19: Was glaubtest du, was er gedacht hatte?

00:22:21: Dass ich aus einer guten Familie komme.

00:22:23: Dass ich gut drauf bin vieles hinkriege und wenn er das erkannt hätte dass das alles nur vorgespielt war nichts davon echt war dann hätte ich seine gute Vorstellung zerstört.

00:22:34: Das wollte ich auf jeden Fall verhindern.

00:22:40: Diese Aussage lässt sofort an die eigentliche Konsequenz im Scham erleben denken sich verbergen sich verstecken oder wie Wurzler es formuliert das Leben hinter der Maske führen.

00:22:53: Julia deutet etwas an, was bei der globalen Scham unbedingt berücksichtigt werden muss.

00:23:00: Denken, sehen und erkennen werden in Anlehnung an Wormser in einem negativen Kontext gleichgesetzt.

00:23:08: Das ist interessant denn erkennen bildet sowohl einen visuellen Wahrnehmungs- als auch ein kognitiven Verstehensaspekt ab.

00:23:18: Es gibt eben nach wesentliche Überschneidungsbereiche zwischen dem intersubjektiven, dem psychischen sowie den körperlichen Erleben der Scham.

00:23:26: Worauf ich jetzt zu sprechen komme.

00:23:30: Diesbezüglich möchte ich zunächst auf die Bedeutung des Blickes der anderen eingehen.

00:23:35: Demnach Hilgers, Seitler und Tiedemann eine besondere Bedeitung zukommt.

00:23:41: Wer sich schämt kann es kaum aushalten dem Blick anderer Menschen stand zu halten sodass er oder sie in der Regel die Augen nach unten richtet, oder zur Seite schaut.

00:23:53: Deshalb ist die Vermeidung des Blickkontaktes etwas so typisches im Scham erleben.

00:24:01: Den Blick der anderen wird eine magisch verurteilende Macht zugeschrieben, sodass viele Betroffene glauben dass andere Menschen in einen hinein sehen können und dort das Verpönte innere, die Defizite, Schlechtigkeit und Schande sehen.

00:24:26: Der Blick der anderen wird aber nicht nur als zutiefst kritisch und abwertend gefürchtet und erlebt sondern macht die Betroffenen auch zu Objekten.

00:24:36: Die reine Scham ist das Gefühl ein Gegenstand zu sein seit er beschreibt dass das Subjekt durch den Blick zu einer Sache wird.

00:24:47: dieser objektivierende Blick wird Tiedemann folgend als absolute Verachtung interpretiert.

00:24:55: Das Subjekt erlebt sich, als von der Umwelt beziehungsweise sie selbst getrennt.

00:25:00: Es stellt sich demnach eine Beziehung zwischen dem Ich und dem Überich oder dem Selbst- und dem Äußeren Objekt her die durch einen Zustand des ausgeliefert seins im Kern ein dissoziatives Erleben geprägt ist.

00:25:14: Im Ergebnis wirken die Betroffenen in Kontakt häufig wie entdrückt weit entfernt so wie zuvor an Herrn von Lisia beschrieben.

00:25:24: Im Extrem stellen sich Depersonalisations- und Derealisationsphänomene ein, wie wir sie – wie erwähnt – von posttraumatischen Verläufen kennen.

00:25:35: Gesehen werden heißt bloßgestellt sein, hypnotisiert, verschlungen durch Bord und im Inneren zerstört zu werden.

00:25:44: Wurmser beschrieb, wieso dieses gesehen werden und sich zeigen mit Besitzergreifung Invasiver macht der Objekte bis hin zur Auflösung jeglicher Grenzen oder sogar der Auslöschung des Selbstgleichs gesetzt werden.

00:26:01: Denken Sie an die Worte, wenn Blicke töten könnten!

00:26:05: Sich verstecken und nicht hinschauen hat den Sinn, die Grenze zu bewahren.

00:26:10: So existiert nach Wurms auf einer archaischen Ebene die Gleichungen sehen gleich wissen gleich bewerten und verachten.

00:26:18: Eine komplettierende Lesart der erwähnten associativ verknüpfen Gleichsetzung von Denken, Sehen und Erkennen.

00:26:26: Treffend dazu, erwähnt Julia Wenn ich in die BVG einsteige dann habe ich das Gefühl alle starren mich an und sehen in mich rein.

00:26:37: Dann sehen sie was für ein verkommener Mensch ich bin.

00:26:40: Ich fühle mich nackt allem ausgeliefert.

00:26:43: Deshalb gucke ich niemanden an.

00:26:47: Ein weiteres Fallbeispiel Gereon Der adolescente Jugendliche hatte sich die Haare schneiden lassen.

00:26:55: Ganz viele fanden meinen Haarschnitt gut, niemand hat etwas Schlechtes gesagt und trotzdem bin ich immer noch darin gefangen wie mich andere angucken.

00:27:03: Ich fühle mich von allen Blicken verfolgt.

00:27:07: Dies verdeutlicht dass es in der globalen Stamme nicht zur Veränderung der Selbst- und Objektrepräsentanzen kommt trotz positiver Erfahrung.

00:27:16: Er fährt fort.

00:27:18: Ich konnte in den letzten Tagen nicht zu Hause sein, musste raus unter Leute.

00:27:23: Aber dort gucke ich mich immer um, um mich zu vergewissern dass die nicht sehen wie einsam ich bin.

00:27:29: Schlagartig wechseln die Besetzung der Wunsch nach dem aus dem eigenen Rückzugsort heraus zu treten wird umgehend von der Angst vor dem erkannt werden durch andere der Angst was passiert wenn ich aus der Isolation raus komme abgelöst.

00:27:46: Ich sage, es klingt wie das du raus willst aus deinem Gefängnis, deinem inneren Rückzugsort und dass du horst, dass dann alles besser wird.

00:27:54: Aber wenn du rauskommst fühlst du dich vernichtenden Blicken ausgesetzt die dich erkennen könnten?

00:28:00: Ja genau!

00:28:01: Dann flüchte ich wieder nach Hause.

00:28:02: Ich fühle mich dann stark weil ich es geschafft habe dass niemand merkt wie schlecht es mir geht.

00:28:09: ihr bekommt von mir nicht zu sehen.

00:28:11: Das ist mein Triumph sage ich Und ich sehe aber euch.

00:28:15: Damit habe ich Macht über euch.

00:28:18: Wow, genau auf den Punkt gebracht!

00:28:21: Ich entgegne... Aber das Problem scheint mir ist doch dass du unter deiner Isolation genau du leidest?

00:28:28: Ja, das ist mein größtes Problem.

00:28:30: Nicht erkannt zu werden heißt total isoliert und einsam zu sein aber kann zu werden heisst ausgeliefert zu sein.

00:28:39: Ich diesen Konflikt aufzulösen erscheint hier unmöglich eher ja.

00:28:46: Damit jetzt die erste Folge meines Beitrags zum Schamgefühl und bedanke mich ganz herzlich für Ihre Aufmerksamkeit.

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