Lust, Fantasie und Identität im Internetzeitalter - Teil 1 (Carolin Keller)

Shownotes

In dieser Folge widmet sich die Psychoanalytikerin Carolin Keller eingehend der psychoanalytischen Theorie der Sexualität und geht der Frage nach, wie sich Fantasien, Triebe und zwischenmenschliche Beziehungen im digitalen Zeitalter verändern. Dabei beleuchtet sie, wie menschliche Sexualität bereits in der Kindheit geprägt wird, welche Konflikte und Sehnsüchte sie begleitet und wie das Internet neue Räume für Lust, Abwehr und Einsamkeit eröffnet.

Anhand von Beispielen aus Film, therapeutischer Praxis und gesellschaftlichen Entwicklungen zeigt Carolin Keller, wie vielfältig und kreativ sexuelle Entwicklung verlaufen kann — und weshalb die Integration von Begehren und Grenzen eine zentrale Bedeutung besitzt. Die Folge lädt dazu ein, vertraute Sichtweisen zu hinterfragen und Sexualität aus einer neuen, dynamischen psychoanalytischen Perspektive zu betrachten.

Bezug genommen wird dabei unter anderem auf Arbeiten und Gedanken von Sigmund Freud, Ilka Quindeau, Jean Laplanche und Otto Kernberg sowie auf filmische Beispiele wie Nymphomaniac von Lars von Trier oder The Untamed von Amat Escalante.

Sigmund Freud

https://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud

Ilka Quindeau

https://de.wikipedia.org/wiki/Ilka_Quindeau

Jean Laplanche

https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Laplanche

Lars von Trier – Nymphomaniac

https://de.wikipedia.org/wiki/Nymphomaniac

Amat Escalante – The Untamed (La región salvaje)

https://de.wikipedia.org/wiki/Laregi%C3%B3nsalvaje

Otto Kernberg

https://de.wikipedia.org/wiki/OttoF.Kernberg

Gavin Sexton

https://www.instagram.com/gavinsexton/

Monika Ziel und Markus Zürcher

https://www.springer.com/de/book/9783531180732

Bini Adamczak – Begriff Zirklusion

https://de.wikipedia.org/wiki/Bini_Adamczak

Generation Z

https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_Z

Milf

https://de.wikipedia.org/wiki/MILF

Transkript anzeigen

00:00:05: Hallo und willkommen zur fünften Folge des Podcasts, das Edith Jacobsen Instituts in Berlin.

00:00:17: Zwischen Spielen und Worten – Psychoanalysel mit Kindern und Jugendlichen.

00:00:24: Mein Name ist Karolin Keller Ich bin Psychoanalytikerin und arbeite mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Und bilde Kolleginnen in der psychoanalytischen und tiefem psychologischen Psychotherapie aus.

00:00:38: Heute und in der siebten Folge im Juli geht es um Sexualität.

00:00:43: Ich gehe hier der Frage nach, wie menschliche Sexualität angelegt ist, wie sie funktioniert und was sie ausmacht?

00:00:51: Und inwiefern das Internet diesen Prozess beeinflusst?

00:00:55: Wird Sexualität fluider, abgespaltener, kreativer oder einfach nur einsamer?

00:01:04: Die psychoanalytische Sexualitätstheorie begreift aktiv- und passiv nicht als äußeres Verhalten, sondern als Triebpositionen die das Begehren formen.

00:01:17: Sie drücken sich in vielfältiger Suche – in Vermeidung und in Lust und Leid aus.

00:01:24: In der Adoleszenz muss die Vielgestaltigkeit der Sexualität integriert werden Und gleichzeitig muss die Ablösungen von den primären Objekten also den wichtigen Bezugsperson bewältigt werden.

00:01:39: Psychologische und sociologische Kommentare des digitalen Zeitalters schwanken zwischen Warnungen vor nazistischer Verwahrlosung und optimistischen Ausblicken durch die größere Freiheit.

00:01:54: In dieser Folge will ich der Frage nachgehen, wie sich sexuelle Fantasien von jungen Erwachsenen ihre Erscheinungsformen und ihre Abwehr im aktuellen Diskurs in digitalen Räumen und im therapeutischen Raum abbilden.

00:02:12: Es geht um junge Erwachsene, die zwischen nineteenhundertzehnundneunzig und zweitausendzwölf geboren sind – die Generation Z wie Summa!

00:02:22: Ein Wortspiel das sich nicht auf die App Zoom bezieht sondern auf die vorhergehende Generation der Baby Boomer.

00:02:32: In den Medien wird viel über die Folgen des hohen Konsumens von Kindern und Jugendlichen von Social Media und Pornografie geschrieben, spekuliert.

00:02:42: Wobei es bei näherer Betrachtung häufig um die Befürchtungen geht das Träge ansprüchliche sozial- und emotional verwahrloste junge Erwachsene dabei herauskommen unwillig Verantwortung für sich selbst und für die eigene sexuelle Entwicklung oder gar für andere zu übernehmen.

00:03:03: Einiges stimmen haltend dagegen mit den Möglichkeiten des Internets mit niedrigschwelligen Zugängen zu Gemeinschaften, zur Aufklärung und der Möglichkeit zu experimentieren.

00:03:17: Um die Frage nach den Veränderungen beantworten zu können – und dabei nicht in den mitunter ihr kurzfristigen Erscheinungsformen hängen zu bleiben – braucht es das Vorwissen über die menschliche Sexualität aus psychoanalytischer Sicht.

00:03:33: Deswegen vermittelt diese Folge die Basis eine Einführung in das psychodynamische Verständnis von Sexualität und den Anforderungen psychosexueller Entwicklung der Adoleszenz.

00:03:47: Im zweiten Teil wird es dann um die Besonderheiten mit der Begegnung des sexuellen, der digital natives gehen.

00:03:55: Teil eins – Die Entstehung des Sexuellens.

00:04:00: Ich beginne mit der Einführungs- in die Psychoanalyse der Sexualität und stütze mich dabei weitgehend auf Ilkak-Windows Darstellung der freudschen Triebtheorie, unter Weiterführung von Jean La Plange.

00:04:13: Indem er den Ursprung von zärtlichen, erotischen und sexuellen Strebungen in die Beziehung zwischen Eltern und Kind einbettet.

00:04:23: Mit Libido bezeichnet Freud eine Antriebskraft oder Lebensenergie, die jeder menschlichen Tätigkeit zugrunde liegt.

00:04:31: Mit den Konzepten von Triebe und Libido verbindet Freud Körper und Seele, die seit der Antike im westlichen Diskurs eher dualistisch dargestellt wurden.

00:04:44: Sexualität ist nach Freut weder auf Erwachsene noch oft Genitalität reduziert – sie beginnt schon mit dem Saugen, dem Ludeln des kleinen Kindes und hat einen weit schweifenden Charakter den Freud als Polymorph pervers bezeichnet.

00:05:00: Es ist wichtig dass innerhalb seines Modells keine normative Hierarchisierung von sexuellem Verhalten und Erleben auftaucht.

00:05:10: Nicht was getan wird, sondern Funktionen- und Ausmaßdessen bestimmen darüber, was als pathologisch bezeichnet wird.

00:05:19: Im Folgenden fasse ich die drei Abhandlungen zur Sexualtheorie von nineteenhundertundfünf zusammen.

00:05:26: Freud stellt fest, dass das Austauschbarste in der Sexualität des Objekts ist – also das Gegenüber meist eine Person.

00:05:33: Eine unromantische, aber sinnvolle Sichtweise, wenn man dem nächsten Erkenntnispunkt folgt.

00:05:40: Das ist der zweizeitige Ansatz der menschlichen Sexualität – die erstmals in der frühen Kindheit bis zum etwa fünften Lebensjahr aufblüht, dann in der Latence, die ungefähr die Grundschulzeit umfasst, abtaucht und in der Pubertät erneut einsetzt.

00:05:58: Dieser zweiteitige ansatz ist verantwortlich für die grundsätzliche intrapsychische Konfliktaftigkeit der menschlichen Sexualität, das durch die Latenz unterbrochene und mit einer anderen körperlichen Qualität wieder auftauchende Triebbegehren führt zu spezifisch-menschlichen Komplikationen.

00:06:20: Der folge Säugling ist autoerotisch.

00:06:23: Entsprechend entsteht das lustvolle Erleben in Anlehnung an wichtige Körperfunktionen.

00:06:29: Nach ihnen benannt sind die Orale, und schließlich die fallische-undigenitale Phase innerhalb der Entwicklung vom Baby zum Kindergartenkind.

00:06:41: Das Sexualziel steht jeweils unter der Herrschaft einer erogenen Zone, deren Wechsel zwar im Großen und Ganzen für alle Kinder festgelegt ist aber durchaus variieren kann – was neben genetisch bedingten Möglichkeiten auch die Angebote der frühen Bezugsperson einschließt.

00:07:01: Ich stelle mir z.B.

00:07:03: eine Mutter vor die sich bereits zum Ausgehen parfümiert, noch einmal zärtlich ihrem Baby zuwendet.

00:07:11: Oder eine Mutter, die beim Stillen harsche Anweisungen gibt!

00:07:17: Hier sind der Fantasien nahezu keine Grenzen gesetzt.

00:07:20: Wichtig dabei ist dass das Erleben immer nur das Material ist – das anschließend durch eine individuelle Psyche verarbeitet und geformt wird so dass die unbewussten Fantasinen zweier nahezu gleichbehandelter Kinder, der noch völlig unterschiedlich sein können.

00:07:40: Die erogenen Zonen verfielfältigen sich im Laufe der Entwicklung.

00:07:44: Aus dem großen Interesse daran alles in den Mund zu stecken wird das Interesse den Darminhalt zu kontrollieren.

00:07:51: Danach wird es wichtig zu erkunden und den anderen zu zeigen was zwischen den Beinen ist, was man reiben woran man ziehen kann.

00:08:01: Oft schließen sich die Triebziele einer Phase gegenseitig aus, festhalten und loslassen in der analen Phase zum Beispiel.

00:08:11: Und die Anforderungen verschiedener Phasen können sich zusätzlich widersprechen –

00:08:16: z.B.,

00:08:17: der orale Wunsch nach Auflösung und Verschmelzung und der Anale nach Kontrolle und Abgrenzung.

00:08:25: All das muss verhandelt und bewältigt werden und schafft eine erhöhte Vulnerabilität für seelische Konflikte.

00:08:35: Wichtig ist zweierlei, erstens dass diese Lustbarkeiten nie ganz aufgegeben sondern in spätere Liebespiele je nach Vorliebe eingebaut werden.

00:08:47: Zweitens während der ganzen langen Spanne in der Kinder Nähe und Intimität vorwiegend in ihrer Familie erleben liegt ihr Inzest buchstäblich zum Greifen nahe tabuisiert werden.

00:09:05: Entsprechend finden sich inzestuöse Fantasien im individuellen und gesellschaftlichen Unbewussten häufig auch im Grenzbereich dem Vorbewusten.

00:09:17: Denken Sie nur an all die Miles-Autos, aus denen Milfs werden.

00:09:21: Mothers are like the fuck!

00:09:24: In der Pubertät vollzieht sich die Objektwahl zunächst auf der Ebene der Fantasie.

00:09:30: Meist unbewusste Vorstellungen oder halbbewuste die nicht zur Ausführung bestimmt sind.

00:09:37: Dazu gehören universelle Stereotype-Fantasien wie das Belauschen des älterlichen Geschlechtsverkehrs, die frühen Verführungen durch Pflegepersonen aber auch die Kastrationsdrohung – das bedeutet dass ein wichtiger Teil des Körpers abhandenkommen könnte weggenommen wird oder dem Vorweilen im Mutterleib.

00:10:00: Als Metapher für sexuelle Erfüllung nennt Freud den Durchschlag des Tunnels von beiden Seiten, der vom Individuum im günstigsten Fall bewältigt wird und meint damit die Verbindung der Zärtlichen mit dem Sinnlichen Treben.

00:10:18: Zärtliche Gefühle sind zum Beispiel die zu Eltern, die gut genug waren, deren absolute Bedeutung für das eigene Wohl-und-Wheel man aber hinter sich gelassen hat.

00:10:31: Die Gefühles sind dann vorwiegend freundlich dankbar unzärtlich!

00:10:36: Im Sinnlichen ist dagegen alles enthalten, was die Polymorph perverse Welt zu bieten hat.

00:10:42: Einschließlich Angstlust Schmerz Der Wunsch Grenzen zu überschreiten und die dafür nötige Aggression.

00:10:52: Ein schönes Beispiel für die Verbindung der zärtlichen und der sinnlichen Triebe Ist mir in Nymphomaniac ein Film von Lars von Trier begegnet.

00:11:03: Es geht um eine sehr junge Frau Joe Die sich für Sexualität mit männlichen Partnern interessiert.

00:11:10: Sie gründet eine Gruppe, die gemeinsam skandieren – mehr wohl war, mehr maxima wohl war und sich vornehmen niemals zweimal mit demselben Mann Sex zu haben.

00:11:22: In einer Szene schwärmt ihre beste Freundin von mehrmaligen Begegnungen!

00:11:28: Und von der Heldin zur Rede gestellt, warum sie sich nicht an die Regeln halte antwortet sie?

00:11:33: Das Geilste beim Sex was ich je erlebt habe ist Liebe.

00:11:38: Ich komme später darauf

00:11:39: zurück.".

00:11:42: Schon bei Freud, ist die Mutter der erste Verführerin des Kindes durch die Körperpflege.

00:11:48: Jean-La Planche führt das weiter.

00:11:51: In seiner allgemeinen Verführungstheorie wird der Prozess der Sexualisierung durch Beziehungen zu den Bezugspersonen und deren Begehren strukturiert.

00:12:02: Verführung meint hier eine universelle sozialisatorische Situation in der das Begehren des Kindes eben nicht von innen heraus als biologische Anlage funktioniert, sondern von außen.

00:12:15: Durch dass sich dem Kind zuwendende Begehre der Eltern entsteht.

00:12:21: So entsteht die für die menschliche Sexualität besondere Unabhängigkeit der sexuellen Erregung von der sinnlichen Wahrnehmung.

00:12:31: Erregungen wird nicht nur durch äußere Stimulation – durch was wir sehen, riechen, hören und fühlen hervorgerufen sondern ebenso von Erinnerungen und Fantasien.

00:12:43: Quindo fasst das kurz-und bündig zusammen, die Lust entsteht im Kopf – und nicht durch Reibung der Genitalien.

00:12:53: Ideale wie Selbstbestimmung und Autonomie prägen aktuell in den westlichen Gesellschaften Die Vorstellung vom Säugling, der von Beginn an Kompetenz sein soll Und stellen unter anderem rätselhafte Botschaften dar.

00:13:08: Rätselhaft meint hier sowohl Das noch nicht genügend ausgestattete Kind, das die Botschaften nicht entschlüsseln und verarbeiten kann als auch den unbewussten Gehalt der Botschaft.

00:13:21: Die auch für Erwachsene nicht zugänglich sind.

00:13:25: Es geht dabei um prä- oder paralinguistische Botschaft Keinesfalls um sexuelle Handlungen.

00:13:35: Schon bei Kleinkindern sind alle Anzeichen sexueller Äußerungen zu sehen.

00:13:40: Sechzig Prozent der jüngeren Erwachsenen Erinnern sich an sexuelle Spiele und vierzig Prozent an Masturbation vor der Pubertät.

00:13:50: Insgesamt nimmt die Anzahl der masturbierenden Adolescenten seit den Achtzigerjahren kontinuierlich zu, wobei weibliche Jugendliche prozentual aufholen.

00:14:04: Laplange dreht das freudche Diktum des Lustprinzips als von innen kommende Triebdynamik um.

00:14:11: Durch die Erotisierung.

00:14:13: Das Kind ist nicht mehr die Brust das erste Objekt des Kindes, sondern die Brüst.

00:14:18: deren lustmachende Empfindung beim Stillen schafft das Kind als sexuelles Wesen.

00:14:24: Die Lust entsteht als Erinnerung an die Befriedigungserfahrung und die Befriedigung geht der Lust voraus.

00:14:34: Im folgenden gehe ich auf den Modi der erogenen Zonen ein – die Pazialtriebe soweit sie für das Verständnis sexueller Fantasien und gelebter Sexualität relevant sind.

00:14:48: Die Oralerotik besteht im Einverleibendes Objekt, um eins mit ihm zu werden oder dem Wunsch sich von einem mächtigeren Objekt gefressen und ein Teil von ihm zu werden.

00:15:15: oder Allmacht zu gewinnen.

00:15:18: Beim Oralensatismus beißt das Kind in Abwandlung des Saugens nicht aus Wut und Frustration, sondern aus Lust.

00:15:26: Orale Modi finden sich in sexuellen Fantasien etwa in lustvollen Auflösungs- und Verschmelzungsfantasien aber auch darin jemandem vor lauter Liebe auffressen zu wollen.

00:15:40: Bei der Analerotik geht es um die Intensivierung durchs Festhalten und hinaus schieben von Lustempfindungen.

00:15:49: Reinlichkeitserziehung kann zum Liebesspiel werden, weil durch jegliche Kommentierung Lustempfindungen des Kindes angesprochen und unterstützt, gelobt oder getadelt werden.

00:16:03: Das eigene Produkt muss verworfen werden, bleibt aber hoch besetzt.

00:16:08: Fantasmatisch geht es um Macht- und Kontrolle bzw.

00:16:12: Ohnmacht und Unterwerfung – die Schaulust.

00:16:17: der Voyeurismus hat eine ganz eigene Qualität.

00:16:22: Folgt man der Thesel, dass Erregung im Kopf und aufgrund von Fantasie entsteht ist nicht die Mastopation durch den Konsum von Pornografie begleitet sondern der Konsum – Die Schaulust isst die eigentliche Lust.

00:16:39: Exhibitionismus verhält sich komplementär zu Schaullust.

00:16:47: Die aus ihm gewonnene Lust ist mit Zungnahme des Selbstgefühls durch das Angeschautwerden verbunden.

00:16:55: In vielen Fallvorstellungen in der psychoanalytischen Literatur spielt die Verbreitung sexualisierter Fotos eine entscheidende Rolle für die Aufnahme der Therapien, auch wenn es oft nicht die Betroffenen selbst sind, die Anfangstherapiebedarf äußern.

00:17:18: zielt auf die Anerkennung der Begrenztheit des geschlechtlichen Körpers und seiner Möglichkeiten, und der Differenz zwischen den Generationen.

00:17:28: Als Beispiel scheint mir hier ein Film das spanisch-mexikanischen Regisseur Amat Escalante ausdrucksvoll The Untamed übersetzt in etwa Die Wilde Region.

00:17:42: In einer Scheune auf dem Land betreut ein älteres Paar eine Art Krakel die mit einem Meteorit aus dem All auf die Welt gelangt ist und dort Menschen, die sie aufsuchen, sexuell befriedigt.

00:17:58: Die gesellschaftlich frustrierten ausgegrenzten und verlorenen Figuren – eine junge Mutter, ihr liebloser homophober Mann und deren Umfeld verstricken sich zusehens in eine sexuelle Abhängigkeit.

00:18:12: Dabei steht die Körperlichkeit der Krake für Regression und potenziell unendliche Möglichkeiten der Befriedigung, was im Leben der Charaktere zu schwerer Verwirrung, Verletzungen und bei einigen zum Tod führt.

00:18:31: Umgekehrt hat die Akzeptanz der irdischen Begrenztheit wiederum eine strukturbildende Funktion und führt neben der Fähigkeit, Getrenntheit, Frustrationen und Ausschluss zu ertragen zur Öffnung gegenüber dem neuen und fremden.

00:18:50: Das alles will auf einer metaphysischen Ebene verstanden werden und sollte nicht zur Normierung oder Pathologisierung verwendet werden.

00:19:01: Die Integration äußerer und innerer Genitalien ist eine der Aufgaben der Adoleszenz.

00:19:09: Ihre Lösung ist qualitativ ausschlaggebend für das sexuelle Erleben, unabhängig von Geschlecht und von der sexuellen Orientierung.

00:19:23: legt die Identifizierung von Frauen mit inneren Genitalien nahe und erlaubt ihnen damit passive Triebziele wahrzunehmen, um den lustvollen Wechsel von Handeln und Hingabe zu genießen.

00:19:38: Männern wird das umgekehrt und außerhalb von gekennzeichneten und geregelten sexuellen Verhältnissen wie zum Beispiel dem Besuch einer Domina viel weniger zugestanden.

00:19:51: Für Gavin Sexton der sich auf TikTok, YouTube und Instagram um sexuelle Nöte von Männern kümmert ist das eine zentrale Ursache für Stress und Angst die zu sexuellen Problemen und Lustlosigkeit führt.

00:20:07: An dieser Stelle scheint es mir wichtig aktive und passive Triebziele unabhängig von der Anatomie zu unterscheiden.

00:20:16: Monika Ksell und Markus Zürcher haben sich mit der konstitutionellen Bisexualität des Menschen beschäftigt und definieren sie als gleichzeitiges Vorhandensein von aktiven und passiven Triebzielen, unabhängig vom Geschlecht.

00:20:33: Bisexualität zählt hier nicht auf das Geschlechts des begehrten Objekts sondern den Inhalt des Triebbunschs der in ein- und demselben Individuum sowohl aktiv also auch passiv sein kann.

00:20:48: Das Triebsziel selbst dagegen ist niemals inaktiv.

00:20:51: es hat immer eine Richtung Wie Sexualität als triebtheoretisches Konzept bedeutet, der aktive Trieb strebt zum Objekt und will etwas mit ihm machen.

00:21:04: Umgekehrt strebt der passive Triebe zum Ich welches Will, dass das Objekt etwas mit ihn macht.

00:21:12: Ilka Quindomoniert das weibliche Sexualität in der von Freud konzipierten Triebtheorie als passiv konstruiert und durch das Aufnehmen charakterisiert wird.

00:21:25: Der Begriff Zirklusion, den Bini

00:21:28: Adamtschak-s.A.M.E.,

00:21:30: eingeführt hat ermöglicht es parallel zur Penetration auf die aktiv umschließende Funktion von Vulva und Glitteris zu fokussieren Das Bisexualität als Interesse auch an gleichgeschlechtlichen Erfahrungen viel häufiger als sexuelle Präferenz angegeben wird als früher.

00:21:52: Ein Umstand, den ein Studie zur Jugensexualität von twenty-一undzwanzig bestätigt könnte unabhängig davon mit einem sich verändernden erweiterten Zugang zu sexuellen Funktionen zu tun haben und mit flexibleren Vorstellungen dessen was man mit Körpern tun und erleben kann.

00:22:13: Insbesondere bei jungen Männern fällt auf dass die Angst vor homosexuellen Erfahrungen zumindest in bildungsnahen westlichen Gruppen weniger bestimmend ist, die Neugier dagegen zu wachsen scheint.

00:22:28: Otto Kernberg beschreibt seine Sicht auf die Verbindung von Anatomie, Fantasie und Lust – und formuliert seine Version des Tunnel-Durchschlags folgendermaßen.

00:22:39: Liebe bedeutet die Fähigkeit, Idealisierung und Erotik miteinander zu verbinden und eine tiefe Objektbeziehung herzustellen.

00:22:48: Verliebtsein stellt das Potenzial dazu dar!

00:22:54: Erotisches Begehren definiert Kernberg als Streben nach Lust, in dem in einen anderen eingedrungen wird oder dessen Eindringen begehrt wird.

00:23:04: Es geht um den Wunsch nach Nähe und Verschmelzung und Vermischung – was sowohl eine gewaltsame Grenzüberschreitung als auch das Einswerden mit einer anderen Person beinhaltet.

00:23:19: Konkrete Sexualfantasien richten sich auf eindringend Penetration oder Aneignung und beziehen sich auf Erhebungen und Vertiefungen wie Brustspitze, Penis, Zunge, Finger, Fäzes bzw.

00:23:36: Wagner, Mund & Anus.

00:23:40: Dabei ist nicht die rhythmische Reizung der am Ende befriedigende Aspekt sondern die Verschmelzung mit dem Objekt.

00:23:49: Auch Kanberg wandt davor Behälter mit Passiv- und Weiblich und männlich gleichzusetzen.

00:23:58: Auch er erwähnt Fantasien des aktiven Einverleidens, und passiven penetriertwerdens – gleichermaßen wie solche des aktifen Penetrierens und Passiven einverleibtwerdens.

00:24:13: Auch für Kernberg ist psychische Bisexualität universal.

00:24:18: Dadurch können wir uns mit allen Beteiligten einer sexuellen Beziehung

00:24:23: identifizieren.".

00:24:25: Entsprechend wichtig ist die sexuelle Erregung und das Lustempfinden des anderen.

00:24:32: Durch die gegenseitige Identifikation verdichten sich zwei komplementäre Verschmelzungserlebnisse.

00:24:39: Damit verbunden, ist das kurzfristig erleben alle Geschlechter gleichzeitig zu sein – die gewöhnliche Trennwand zum anderen Geschlecht überwunden zu haben zusammen mit dem Gefühl der Ergänzung des Penetrierens beziehungsweise penetriert Werdens und Umschlossenwerdens.

00:25:03: Eine Komponente kann die lustvolle Befriedigung der Aggression sein, die Fähigkeit im anderen Schmerz auszulösen und sich im Schmerzen mit der erotischen Lust des Anderen zu identifizieren.

00:25:18: Grenzwächter dieser Verschmelzung von Lust- und Aggression ist das Übergleich also unser eingebautes Wertesystem.

00:25:28: Entsprechend erfordert die lustvolle und sozial-verträgliche Grenzüberschreitung, die Integration aggressiver Impulse in eine liebevolle Beziehung.

00:25:40: Gelingt diese nicht haben wir es mit den Auswirksten und angsterzeugenden Erscheinungen realer Gewalt zu tun.

00:25:50: Als Beispiel soll hier einer der erfolgreichsten Netflix-Miniserien dienen – Adolescence!

00:25:58: In der Serie ersticht ein dreizehnjähriger eine Mitschülerin, weil sie ihn auf Instagram als insel- und unfreiwillig enthaltsam lebenden bezeichnet.

00:26:14: Der Junge kann die Zurückweisung seiner wenig einladenden Avancen ihr Gegenüber wieder verstehen noch ertragen – und hält bis fast zum Ende an der Berechtigung seiner Tat fest!

00:26:28: Im Verlauf der hautnah gefilmten Ereignisse wird deutlich, dass der Charakter über kein integriertes Überich verfügt.

00:26:37: Er leidet vermutlich unter einer schweren strukturellen Störung, deren Ursachen nicht im Internet zu finden sind – das wird durch den Vergleich mit Mitschülerinnen dargestellt.

00:26:50: Entsprechend unbefriedigend bleibt die quälende Frage nach der Ursache, wodurch die Serie bei aller Detailgenauigkeit und schauspielerischen Leistung beim Gruseln verharrt.

00:27:04: Hier endet der erste Teil des Podcasts, und ich hoffe – ich konnte sie neugierig machen auf den zweiten, indem es um Adoleszenz- und Depressenz des sexuellen im digitalen Zeitalter gehen wird!

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